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Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Kennen Sie den Kulturkanal, der diesen Monat 30 geworden ist?

Ein kleiner Tipp: Es handelt sich um einen deutsch-französischen Sender für Europa.

Die Antwort lautet ARTE, ein öffentlich-rechtlicher europäischer Kulturkanal. Am 30.05.1992 wurde ARTE zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt.

Wissen Sie wofür ARTE steht?

Der Name ARTE bedeutet auf Französisch Association Relative à la Télévision Européenne. Auf Deutsch übersetzt Verein für europäisches Fernsehen. Leider passt nur der französische Name zur Abkürzung ARTE. Zudem ist ARTE an Kunst, Französisch art, angelehnt.

Warum ist ein grenzüberschreitender Fernsehsender so wichtig?

Derzeit ist ein multilateraler Sender wie ARTE einzigartig, da Fernsehsender fast immer national ausgerichtet sind. Zudem war das deutsch-französische Verhältnis historisch betrachtet teils sehr angespannt bevor aus Erbfeinden Freunde wurden. Gerade nach dem zweiten Weltkrieg war eine Annäherung, sogar auf kultureller Ebene, ein großer Schritt. Sie sollte jedoch nicht nur Deutschland und Frankreich, sondern sogar Europa umfassen. Dies wurde in dem zwischenstaatlichen Vertrag von 1990 verankert: „… in dem Bestreben, das Verständnis und die Annäherung zwischen den Völkern in Europa zu festigen …“. Anfangs wurden nur Sendungen in Deutsch oder Französisch ausgestrahlt. Mittlerweile werden Inhalte in sechs Sprachen – Französisch, Deutsch, Italienisch, Englisch, Polnisch und Spanisch – gesendet. Damit nähert sich ARTE immer weiter dem Ziel an, ein europäischer Sender zu sein und dem Vertrag gerecht zu werden. Die Zuschauer haben einen Zugang zu Dokumentationen, Bühnenshows, Spielfilmen mit Untertiteln auf Englisch, Spanisch, Polnisch und Italienisch. Auf diese Weise können heute 70% der europäischen Staatsbürger ARTE in ihrer Muttersprache ansehen. Durch eine enge Zusammenarbeit von ARTE mit öffentlich-rechtlichen Partnern aus Europa wie Irland (RTÉ), Belgien (RTBF), Österreich (ORF), Griechenland (ERT), Finnland (YLE), Italien (RAI COM), Luxemburg (FILM FUND), Tschechien (ČT) und der Schweiz (SSR SRG) wird das Angebot stetig erweitert. Die europäische Vielfalt und Kultur können durch die Ausstrahlung der Filme in der Fernsehkultur des jeweiligen Landes authentisch einem europäischen Publikum nähergebracht werden. Damit verbunden sind z.B. die Eigenarten und der Fernsehgeschmack der jeweiligen Nation, für die z.B. die Originalfassung des Films produziert worden ist. Auch erklärende Sendungen wie Karambolage (Deutsche und französische Eigenarten), Mit offenen Karten (Geopolitisches Magazin), ARTE Re: (Wie wir ticken. Reportagen aus Europa) und ARTE Journal (Das europäische Nachrichtenmagazin) vermitteln dem Publikum eine neue Sichtweise auf Europa sowie den Rest der Welt.

Sind Sie neugierig geworden? Dann stöbern Sie auch einmal in der Mediathek von ARTE und entdecken Sie die Vielfalt, die dort auf Sie wartet.

Historischer Rückblick

1988 fand der deutsch-französische Gipfel in Bonn statt, auf dem sich der französische Präsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl für einen deutsch-französischen Kulturkanal aussprachen.

Am 02.10.1990 wird ein zwischenstaatlicher Vertrag von dem französischen Minister für Kultur und der elf Ministerpräsidenten der westdeutschen Bundesländer, darunter das Saarland, unterzeichnet. Im November 1996 treten die fünf ostdeutschen Bundesländer, ehemals DDR, dem Vertrag bei. Diese Unterzeichnung zeigt deutlich die Unterschiede der zwei Staatssysteme und die damit verbundenen Schwierigkeiten bis zur Vertragsunterzeichnung. So unterschrieb für Frankreich nur der französische Minister für Kultur, Frankreich ist ein Zentralstaat. Hingegen mussten für Deutschland alle Ministerpräsidenten dem Vertrag zustimmen, denn bei Deutschland handelt es sich um einen Bundesstaat.

Am 20.04.1991 wird der europäische Kulturkanal ARTE in Straßburg gegründet. Er setzt sich aus gleichen Teilen aus einem französischen und einem deutschen Mitglied zusammen. Das deutsche Mitglied ist die ARTE Deutschland GmbH, deren Gesellschafter die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF zu jeweils 50% sind. Bei dem französischen Mitglied handelt es sich um La SEPT, Umbenennung 2000 in ARTE France, dessen Zusammensetzung komplexer ist. So ist der regionale öffentlich-rechtliche Kanal FR3 zu 45% Gesellschafter, der französische Staat zu 25%, Radio France zu 15% und das INA (Institut National de l’Audiovisuel) zu 15%.

Am 30.05.1992 wurde ARTE zum ersten Mal ausgestrahlt.

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